Bewusst leben

Lebensraum im Wandel

In diesem Blogeintrag möchte ich euch gerne dazu einladen, euch mit dem Raum in dem ihr gerade lebt oder in Zukunft leben möchtet zu beschäftigen.

Bedingt durch die Einschränkungen in den letzten Monaten haben wir sicher viel mehr Zeit in unseren vier Wänden verbracht und vielleicht hast du dir auch ein bisschen mehr Gedanken über deine aktuelle Lebenssituation machen müssen.

Ich versuche mir regelmäßig die Zeit zu nehmen, mich und mein Leben zu reflektieren. Wie geht es mir gerade? Bin ich zufrieden? Womit bin ich unzufrieden? An welchen Punkten möchte ich arbeiten und mich weiterentwickeln?

Ich bin in sehr guten Verhältnissen aufgewachsen. Mit meinen zwei Brüdern und meinen Eltern, habe ich den Großteil meiner Lebenszeit in einem Haus an der Grenze zwischen Münsterland und Ruhrgebiet gelebt. Mit 21 Jahren, nach Ende meiner Ausbildung zur Physiotherapeutin, bin ich in meine erste eigene Wohnung in Essen Holsterhausen gezogen. Knapp 50 Quadratmeter – Zwei Zimmer, Küche, Bad. Abgesehen von der Schule gegenüber eine ruhige Straße. Arbeitsweg – 10 Minuten und auf Grund der Parksituation mit Abstand die meisten Strafzettel 😦

Zu meiner ersten eigenen Wohnung hab ich mir damals glaube ich relativ wenig Gedanken gemacht. Ich kann mich auch gar nicht daran erinnern, ob ich mir überhaupt mehrere Wohnungen angeschaut habe. Vielleicht habe ich sogar bei der ersten direkt zugeschlagen. Größe und Preis haben auf jeden Fall gepasst und ich war erstmal einfach glücklich einen Platz für mich alleine zu haben.

Nachdem das Jahr 2011 und 2012 ziemlich fleißig mit Tiemo Hauer Konzerten gefüllt waren und mich diese bedingt durch Tiemos Wohnort oft nach Stuttgart geführt haben, habe ich mich dann im Dezember 2012 für einen Umzug nach Stuttgart entschieden. Mit dem unbedingten Ziel ins Schwabenländle zu ziehen, habe ich meinen Job und meine Wohnung in Essen gekündigt. Freundlicherweise wurde ich für eine Woche bei dem Musiker Micha Schlüter und seiner Lebensgefährtin beherbergt um mir in Stuttgart Wohnungen anschauen zu können und Vorstellungsgespräche wahrzunehmen. Micha kannte ich zu diesem Zeitpunkt nur von einem kurzen Interview welches wir zuvor für das DeutschFM Webradio geführt hatten.

Rückblickend war das eine unglaublich naive Aktion, die auch völlig anders hätte ausgehen können, wenn man sich den hart umkämpften Wohnungsmarkt in Stuttgart anschaut. Ich hatte jedoch Glück nach der einen Woche mit zwei Verträgen zurück nach Essen fahren zu können.

Im Dezember 2012 bin ich dann in Stuttgart Bad Cannstatt in eine zwei Zimmer Wohnung (49 qm) mit Terrasse gezogen. Eine ruhige Hausgemeinschaft mit zwei wundervollen Mädels Renate und Dana.

Es hat eine ganze Weile gedauert, bis ich mich in Stuttgart heimisch gefühlt habe. Zwar habe ich die Entscheidung des Umzugs nie bereut, aber gerade die berufliche Situation mit den schwäbischen Eigenarten hat mich oft verzweifeln lassen. Ich habe in den zweieinhalb Jahren in denen ich noch in der Physiotherapie gearbeitet habe, so häufig meinen Job wechseln müssen, dass ich die Arbeitsverträge kaum noch zählen kann. Es ist natürlich einfach die Schuld dafür bei den anderen zu suchen, aber irgendwann stellt man sich doch die Fragen „Liegt es an mir?“ „Bin ich nicht gut genug?“

Nach einer langen Phase des Zweifelns und des Haderns, kam ich durch einen glücklichen Zufall mit dem Geschäftsführer eines Musikunternehmens ins Gespräch, der mir eine Ausbildungsstelle in seinem Betrieb anbot.

Nach meiner Ausbildung zur Kauffrau für audiovisuelle Medien, habe ich in dem Unternehmen noch ein Jahr als Assistenz der Geschäftsführung gearbeitet und dann stand ich wieder mit vielen Selbstzweifeln und einem großen Fragezeichen in meinem Leben da. Was macht man in so einer Situation? Keine Ahnung. Ich hab gedacht, ich muss zurück zu meiner Familie. Zurück nach Essen. Zurück zu den Menschen, die so sind wir ich. Nur, dass ich zu dem Zeitpunkt gar nicht realisiert habe, dass ich schon lange nicht mehr der Mensch bin, der ich zu dem Zeitpunkt war als ich aus Essen weggezogen bin.

2017 bin ich dann zurück nach Essen gezogen. Rüttenscheider Straße über die älteste Kneipe der Stadt… Wieder zwei Zimmer, Küche Bad – nur diesmal im zweiten Obergeschoss, da ich mich dort bis zu einem Einbruchsversuch sicherer gefühlt habe.

Da ich zu diesem Zeitpunkt gar nicht wusste, was ich beruflich machen soll, hab ich erstmal irgendeinen Job angenommen um meine Miete zahlen zu können. So hab ich ein Jahr in einem Kiosk am Essener Hauptbahnhof und anschließend einige Monate in einer Bäckerei gearbeitet. In dieser Zeit habe ich dann festgestellt, wie sehr mich das Leben in Stuttgart verändert hat.

In der Physiotherapie immer wieder auf Kritik und Ablehnung zu stoßen. Nach wenigen Monaten eine neue Stelle suchen zu müssen. Sich durch die zweite Ausbildung zu kämpfen, die nicht nur eine finanzielle Belastung war, sondern auch durch psychisches Mobbing meines kolerischen Chefs geprägt war, war mich so stark wachsen lassen. Die wertvollen Gespräche mit meiner damaligen Nachbarin Renate, meiner Zweitfamilie (Manuela und Harry) oder auch mit Ariane Willikonsky, haben so viel in mir verändert. Ich habe gelernt mich viel mehr zu reflektieren. Mehr auch mich und auf, dass was mir gut tut zu schauen. Mir ziele zu setzen und dafür zu kämpfen. Das alles ist mir bewusst geworden, als ich in Essen mit Menschen gearbeitet haben, mit Menschen die zum großen Teil höchst unzufrieden mit sich und ihrem Leben waren, aber trotzdem die Entscheidung etwas zu ändern nicht treffen konnten.

Ich muss sagen, dass ich über jede Zeit und jede getroffene Entscheidung dankbar und glücklich bin. Durch den Umzug zurück nach Essen habe ich gemerkt, wie sehr Stuttgart und die Menschen dort mein Zuhause geworden sind. Das ich Menschen in meinem Umfeld brauche die ein Ziel vor Augen haben, die mich motivieren mir eigene Ziele zu setzen und mir das Vertrauen geben, diese auch erreichen zu können.

Dankbar bin ich vor allem auch für die Begegnung mit meiner besten Freundin Maike, die mit mir damals im Kiosk gearbeitet hat und nun mit ihrer Schwester gemeinsam in einem Unternehmen für Tierbetreuung arbeitet.

Nach einigen raren Stuttgart Besuchen an den Wochenenden, hat es mich dann doch wieder zurück gezogen. Diesmal hab ich mir jedoch viel mehr Gedanken gemacht. Wie möchte ich mich beruflich aufstellen? Wie möchte ich in Stuttgart leben? Was kann und will ich mir leisten?

Unterstützt von meiner Zweitfamilie, konnte ich dann im Herbst 2018 einige Besichtigungs- und Vorstellungstermine wahrnehmen. Da das Thema Physiotherapie endgültig abgehakt war und ich in Essen zuletzt in einer Bäckerei gearbeitet habe, wollte ich dort in Stuttgart einfach anknüpfen – weil es dort einfach ein großes Angebot an freien Stellen gibt.

Ich hab mich, dann nach vielen Jahren des alleine Lebens dazu entschieden in eine WG zu ziehen. Ein Grund sind natürlich die hohen Mietpreise in Stuttgart. Da zahlt man, das was man im Ruhrgebiet für eine zwei Zimmer Wohnung zahlt auch schon mal für ein kleines WG Zimmer. Ich hab aber in den letzten Jahren auch festgestellt, dass ich den meisten Platz kaum genutzt habe. Ein extra Schlafzimmer war sowieso meistens überflüssig und Bad und Küche zu teilen, finde ich völlig unproblematisch, wenn man sich auf eine ähnliches Maß an Sauberkeit einigen kann.

So bin ich dann mit sechs Umzugskisten nach Fellbach in eine zweier WG mit Balkon ins Dachgeschoss gezogen. Meine Möbel (Bett, Schreibtisch, Teppich und Kommode) habe ich mir gebraucht über ebay Kleinanzeigen zusammen gesucht.

Leider hat das zusammenleben mit meiner damaligen Mitbewohnerin auf Grund unterschiedlicher Interessen und auch eines gegensätzlichen Tagesablaufes irgendwann nicht mehr so harmoniert, dass ich mich dazu entschieden habe mit meiner besten Freundin Sara auf Wohnungssuche zu gehen.

Nach zahlreichen Besichtigungsterminen von Wohnungen und WGs sind wir dann im Februar 2020 in Esslingen in unser neues Heim am Zwiebelbrunnen eingezogen. Hier wohnen wir nun aktuell in einer fünfer WG mit netten Mitbewohner/innen zusammen.

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